©Monika Bauß / Mark Wischnewski / Lucas Wischnewski 2011-2018

SaMo – Der Unbekannte

Mit wehenden Ärmeln und flatternder schwarzer Kutte verschwand der Unbekannte in einer schmalen Betoneinfahrt einer Häuserzeile. Der Kommissar von Hasen-Mümmelstein und sein Assistent El Silbador sahen sich kurz an, nickten einander zu - und blieben stehen. „Vielleicht sollten wir erst einmal Verstärkung anfordern. Und die Spurensicherung einschalten. Jemand muss sich um die Leiche kümmern!“, erklärte der Kommissar wichtig. El Silbador zückte sein Smartphone und rief die Leitzentrale an. Er murmelte ein paar Sätze und verstaute das Smartphone wieder in seinem hübschen beige-farbenen Trenchcoat. Dann zog er seine 9 mm Smith and Wesson hervor. Auch der Kommissar hatte schon längst seine Waffe gezogen. Erfahren sicherte der Kommissar die Einfahrt und gab seinem Kollegen Feuerschutz. Mutig wie James Bond stürmte El Silbador in den Hof. Er strauchelte, ruderte wild mit den Armen und fiel schließlich der Länge nach auf den gepflasterten Boden. Harte Steine und lautes Gelächter schlugen ihm entgegen. Verwirrt schaute nun auch der Kommissar um die Ecke – und traute seinen Augen nicht. Die Einfahrt führte in einen kleinen Innenhof, in dem eine Menge komischer Gestalten an einem riesigen Holztisch ein ausgelassenes Symposium feierten. Musik spielte, es wurde ordentlich gefeiert, gegessen und getrunken. Nachdem El Silbador sich wieder aufgerappelt hatte, begutachtete er das Teil, das ihn zu Fall gebracht hatte. Es war eine schwarze Kutte mit langen Ärmeln und riesiger Kapuze. Der Kommissar zögerte keine Sekunde länger. Ohne die Symposiums-Gesellschaft aus den Augen zu lassen, überprüfte er jede einzelne Türe, die von den Häusern aus in den Hof führte. Ausnahmslos alle waren verschlossen. Es gab auch keine weitere Einfahrt oder sonstige Fluchtmöglichkeit. Der Mörder musste hier am Tisch sitzen! Noch immer war der Assistent mit der Kutte beschäftigt. „Made in Indonesia, 100% Cotton“ stand auf dem Etikett im Kragen. Und die Größe XXL. Sorgfältig suchte El Silbador nach Haaren oder irgendwelchen Fusseln. Da – ein blondes Haar, geschätzte 18,64 cm lang. Schließlich steckte er seine Nase in den Baumwollstoff. Hm, roch ein kleines bisschen nach Weichspüler Sorte „Teddyweich“ und noch etwas anderem – was war es nur? Er kannte diesen Geruch, konnte ihn aber nicht direkt einordnen. Konzentriert schloss er die Augen und atmete erneut ein. Dann hatte er es. Die Kutte roch nach abgestandenem Qualm von einem Holzfeuer. Aus seiner Manteltasche zauberte er eine riesige Tüte hervor, legte die Kutte fein säuberlich zusammen und verstaute sie darin. Der Kommissar musterte die Anwesenden. Gut, dass er sich nicht als Polizist zu erkennen gegeben hatte! Auch die Waffe hatte er schnell wegstecken können. Noch waren sie inkognito und konnten sich einfach unters Volk mischen. Gerade als Herr von Mümmelstein sich einer dürftig bekleideten Dame widmen wollte, schoss jemand an ihm vorbei. Reaktionsschnell wie der Kommissar war, erwischte er ihn gerade noch am Ärmel und konnte ihn so aufhalten. „Na, Freundchen, wo wollen wir denn so eilig hin?“, fragte er und zog seine Sonnenbrille mit der freien Hand zur Nasenspitze herunter, um ihn besser sehen zu können. „Keine Ahnung wo du hinwillst, aber ich gehe jetzt nach Hause!“, sagte der Mann, der ein braune grobe Mönchskutte trug. Ob der Typ auf Kutten stand? Seine braunen Haare waren zu einem Zopf zusammengebunden und er trug einen dunklen Bart. Sowohl in den Haaren als auch im Bart zeigten sich ergraute Strähnen. „Außerdem kannst du mal meinen Ärmel loslassen!“, schob er hinterher. Der Kommissar ließ ihn los und dachte kurz darüber nach, ob er seinen Dienstausweis zeigen sollte. Doch er überlegte es sich anders. „Aber was willst du denn zu Hause? Wartet da deine Frau auf dich?“, fragte Mümmelstein ganz unverbindlich. Der Mann schüttelte den Kopf. Ganz langsam schlenderte er zu dem Holztresen herüber, der an einer Hauswand aufgebaut war. „Drachenschänke“ stand darüber. „Hey Tom! Mach mir mal ein Bier für meinen neuen Freund hier und eins für mich!“, rief er dem Mann hinter dem Tresen zu. Pflichtbewusst wie der Kommissar war, sprudelten die Worte von ganz allein aus seinem Mund. „Aber ich bin doch im Die..., äh, heute ist Dienstag, da trinke ich nie!“, versuchte er die Situation zu retten. „Ach komm, stell dich nicht an!“, sagte der Kuttenmann und nahm die zwei Humpen von Tom entgegen. Erst jetzt sah Herr von Mümmel, dass der Kuttenmann einen Strick als Gürtel über der Kutte trug. Daran hing ein großes, schwer aussehendes Holzkreuz. Beides kam als Tatwaffe in Betracht. Mit dem Strick konnte man jemanden erdrosseln, mit dem Kreuz den Schädel einschlagen... Ein bisschen ungöttlich für einen Mönch vielleicht, aber die Wege des Herrn sind ja bekanntlich unergründlich... „Also, ich bin Bruder Rectus. Prost!“, sagte der Mönch und hielt den Humpen Bier hoch. „Ja, äh, ich bin Komm... Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein. Prost!“, antwortete der Kommissar und die Humpen stießen aneinander. Eindringlich sah Bruder Rectus seinen neuen Freund an. Der Wahnsinn glitzerte dabei in seinen Augen. „Du wolltest wissen, ob zu Hause meine Frau auf mich wartet? Nein, die hab ich schon vor langer Zeit rausgeschmissen. Gleich, nachdem ich erfahren hatte, dass sie was mit einem anderen Mann hatte. Und weißt du was das Schlimmste ist? Er ist Musiker! Wenn sie wenigstens noch einen Bauarbeiter oder Feuerwehrmann genommen hätte! So einen mit Muckis oder so... Naja, irgendwann werde ich den Kerl wohl umbringen müssen... Gott will es so!“ Trotz seiner jahrelangen Erfahrung lief es dem Kommissar eiskalt über den Rücken. Er musste jetzt die ungemein wichtige Frage stellen! „Vielleicht hast du ihn ja schon umgebracht?“ Der Mönch nahm einen tiefen Zug aus seinem Humpen. „Das, mein Lieber, weiß nur Gott allein...“ Er drehte sich um, grinste einen alten Mann im Hof an, stellte den leeren Krug auf dem Tresen ab und trat ganz langsam aus der Ausfahrt auf die Straße hinaus. „Herr Kommissar, glauben sie, dass er es war?“, flüsterte El Silbador in Mümmelsteins Ohr. „Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall ist er sehr verdächtig!“, murmelte Hasen-Mümmelstein und schrieb „Bruder Rectus“ in sein Notizbuch. Ganz in Weiß betrat Dr. Wu in Begleitung eines sehr großen, schlanken Mannes, der ganz in Schwarz war, den Innenhof. Der Mann trug langes braunes Haar, das leicht angegraut war, und einen sehr gepflegten Bart. Seinen braunen Augen entging nichts. „Herr Kommissar!“, rief Dr. Wu schon von weitem, doch von Hasen-Mümmelstein legte den Finger an seine Lippen und stieß ein leises „Psst! Inkognito!“ hervor. Ohne ein weiteres Wort kam Dr. Wu zu ihm herüber. „Das ist Lasterbalk der Lästerliche von der Spurensicherung“, stellte er den großen Mann vor. „Kenn ich doch schon! Und? Haben sie Spuren gefunden?“, fragte der Kommissar fachmännisch. „Ja. Die Leiche hatte einen Döner mit Zaziki zu Mittag. Die Reste befanden sich noch auf seinem T-Shirt“, erklärte der Lästerliche. „An dem Zaziki war eine Spur zu viel Knoblauch. Außerdem ist der Mann ein wenig zu kurz geraten...“ Interessiert wandte sich Lasterbalk dem Gelage hinter sich zu. „Hm, riecht nach Essen, Alkohol und schönen Frauen! Gut!“, sagte er mehr zu sich selbst und nahm den freien Platz von Bruder Rectus ein. „Dr. Wu, haben sie neue Erkenntnisse?“, schaltete sich nun El Silbador ein. Eifrig nickte der Doktor. „Ja, also, wie bereits gesagt, die Leiche ist tot. Ach ja, wir haben die Maske entfernt. Es handelt sich eindeutig um einen Mann. Ich meine, das Gesicht ist ja nicht das einzige Erkennungsmerkmal an einem Mann, aber...“ „Ja ja, schon gut. Also ein Mann. Todeszeitpunkt?“, hakte der Kommissar nach. Mit gerunzelter Stirn sagte Dr. Wu: „Na, vorhin halt. Vor 30 Minuten oder so. War noch nicht ganz kalt. Und die Leichenstarre hatte noch nicht eingesetzt.“ „Todesursache?“ Nun war der gute Doktor doch schwer verlegen und seine normalerweise leicht gelbliche Gesichtsfarbe verfärbte sich in ein sattes DHL-Gelb. „Todesursache durch... Sterben“, stellte er sachlich fest. „Ja, dass er durch Sterben gestorben ist, war mir schon klar. Aber woran ist er denn gestorben?“ Der Kommissar war nun schon leicht ungehalten. „Ich konnte keine Ursache feststellen. Keine Schusswunde, keine Hieb- oder Stichverletzung. Kein Hinweis auf eine Vergiftung. Er ist – wie die zwei anderen Leichen auch – erstickt. Aber auch hier gab es keine Strangulierung. Sieht aus, als wäre ihm irgendwas im Halse stecken geblieben, das man nicht mehr sehen kann“, erklärte Dr. Wu verlegen. „Wahrscheinlich hat es sich in Luft aufgelöst. Oder eine Fee hat es fortgezaubert?“, schlug El Silbador vor. „Toller Witz!“, nörgelte Dr. Wu. In dem Moment kamen die anderen angeforderten Kollegen der Spurensicherung in den Hof. Hierbei handelte es sich um Alea den Bescheidenen, einen außergewöhnlich sportlichen jungen Mann mit roten Strähnen im Haar, um Jean Mechant, auch genannt der Tambour, und Herrn Dr. B. Samoel. Wo bei Herrn Samoel der Dr. herkam, wusste bis heute niemand so genau... Natürlich war das Spurensicherungsteam so gut ausgebildet, dass es auch Leute vernehmen konnte. Nach kurzer Absprache mischten sich die Männer unters Volk. „Oh, mon ami, den rike Herr Holger!“, rief Jean Mechant, der nebenbei Franzose und Trommler war, begeistert aus. Er hatte gerade einen alten Freund getroffen. Herr Holger war winzig klein, stark behaart und wohlriechend. Eben ein echter schwedischer Troll. Erleichtert nahm El Silbador zur Kenntnis, wie winzig Herr Holger war. Nein, der konnte niemals die XXL-Kutte getragen und den Mann ermordet haben! Außerdem war er nicht blond. Und was für ein Motiv sollte ein Troll schon haben?

SaMo - Der Unbekannte

Mit wehenden Ärmeln und flatternder schwarzer Kutte verschwand der Unbekannte in einer schmalen Betoneinfahrt einer Häuserzeile. Der Kommissar von Hasen-Mümmelstein und sein Assistent El Silbador sahen sich kurz an, nickten einander zu - und blieben stehen. „Vielleicht sollten wir erst einmal Verstärkung anfordern. Und die Spurensicherung einschalten. Jemand muss sich um die Leiche kümmern!“, erklärte der Kommissar wichtig. El Silbador zückte sein Smartphone und rief die Leitzentrale an. Er murmelte ein paar Sätze und verstaute das Smartphone wieder in seinem hübschen beige-farbenen Trenchcoat. Dann zog er seine 9 mm Smith and Wesson hervor. Auch der Kommissar hatte schon längst seine Waffe gezogen. Erfahren sicherte der Kommissar die Einfahrt und gab seinem Kollegen Feuerschutz. Mutig wie James Bond stürmte El Silbador in den Hof. Er strauchelte, ruderte wild mit den Armen und fiel schließlich der Länge nach auf den gepflasterten Boden. Harte Steine und lautes Gelächter schlugen ihm entgegen. Verwirrt schaute nun auch der Kommissar um die Ecke – und traute seinen Augen nicht. Die Einfahrt führte in einen kleinen Innenhof, in dem eine Menge komischer Gestalten an einem riesigen Holztisch ein ausgelassenes Symposium feierten. Musik spielte, es wurde ordentlich gefeiert, gegessen und getrunken. Nachdem El Silbador sich wieder aufgerappelt hatte, begutachtete er das Teil, das ihn zu Fall gebracht hatte. Es war eine schwarze Kutte mit langen Ärmeln und riesiger Kapuze. Der Kommissar zögerte keine Sekunde länger. Ohne die Symposiums-Gesellschaft aus den Augen zu lassen, überprüfte er jede einzelne Türe, die von den Häusern aus in den Hof führte. Ausnahmslos alle waren verschlossen. Es gab auch keine weitere Einfahrt oder sonstige Fluchtmöglichkeit. Der Mörder musste hier am Tisch sitzen! Noch immer war der Assistent mit der Kutte beschäftigt. „Made in Indonesia, 100% Cotton“ stand auf dem Etikett im Kragen. Und die Größe XXL. Sorgfältig suchte El Silbador nach Haaren oder irgendwelchen Fusseln. Da – ein blondes Haar, geschätzte 18,64 cm lang. Schließlich steckte er seine Nase in den Baumwollstoff. Hm, roch ein kleines bisschen nach Weichspüler Sorte „Teddyweich“ und noch etwas anderem – was war es nur? Er kannte diesen Geruch, konnte ihn aber nicht direkt einordnen. Konzentriert schloss er die Augen und atmete erneut ein. Dann hatte er es. Die Kutte roch nach abgestandenem Qualm von einem Holzfeuer. Aus seiner Manteltasche zauberte er eine riesige Tüte hervor, legte die Kutte fein säuberlich zusammen und verstaute sie darin. Der Kommissar musterte die Anwesenden. Gut, dass er sich nicht als Polizist zu erkennen gegeben hatte! Auch die Waffe hatte er schnell wegstecken können. Noch waren sie inkognito und konnten sich einfach unters Volk mischen. Gerade als Herr von Mümmelstein sich einer dürftig bekleideten Dame widmen wollte, schoss jemand an ihm vorbei. Reaktionsschnell wie der Kommissar war, erwischte er ihn gerade noch am Ärmel und konnte ihn so aufhalten. „Na, Freundchen, wo wollen wir denn so eilig hin?“, fragte er und zog seine Sonnenbrille mit der freien Hand zur Nasenspitze herunter, um ihn besser sehen zu können. „Keine Ahnung wo du hinwillst, aber ich gehe jetzt nach Hause!“, sagte der Mann, der ein braune grobe Mönchskutte trug. Ob der Typ auf Kutten stand? Seine braunen Haare waren zu einem Zopf zusammengebunden und er trug einen dunklen Bart. Sowohl in den Haaren als auch im Bart zeigten sich ergraute Strähnen. „Außerdem kannst du mal meinen Ärmel loslassen!“, schob er hinterher. Der Kommissar ließ ihn los und dachte kurz darüber nach, ob er seinen Dienstausweis zeigen sollte. Doch er überlegte es sich anders. „Aber was willst du denn zu Hause? Wartet da deine Frau auf dich?“, fragte Mümmelstein ganz unverbindlich. Der Mann schüttelte den Kopf. Ganz langsam schlenderte er zu dem Holztresen herüber, der an einer Hauswand aufgebaut war. „Drachenschänke“ stand darüber. „Hey Tom! Mach mir mal ein Bier für meinen neuen Freund hier und eins für mich!“, rief er dem Mann hinter dem Tresen zu. Pflichtbewusst wie der Kommissar war, sprudelten die Worte von ganz allein aus seinem Mund. „Aber ich bin doch im Die..., äh, heute ist Dienstag, da trinke ich nie!“, versuchte er die Situation zu retten. „Ach komm, stell dich nicht an!“, sagte der Kuttenmann und nahm die zwei Humpen von Tom entgegen. Erst jetzt sah Herr von Mümmel, dass der Kuttenmann einen Strick als Gürtel über der Kutte trug. Daran hing ein großes, schwer aussehendes Holzkreuz. Beides kam als Tatwaffe in Betracht. Mit dem Strick konnte man jemanden erdrosseln, mit dem Kreuz den Schädel einschlagen... Ein bisschen ungöttlich für einen Mönch vielleicht, aber die Wege des Herrn sind ja bekanntlich unergründlich... „Also, ich bin Bruder Rectus. Prost!“, sagte der Mönch und hielt den Humpen Bier hoch. „Ja, äh, ich bin Komm... Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein. Prost!“, antwortete der Kommissar und die Humpen stießen aneinander. Eindringlich sah Bruder Rectus seinen neuen Freund an. Der Wahnsinn glitzerte dabei in seinen Augen. „Du wolltest wissen, ob zu Hause meine Frau auf mich wartet? Nein, die hab ich schon vor langer Zeit rausgeschmissen. Gleich, nachdem ich erfahren hatte, dass sie was mit einem anderen Mann hatte. Und weißt du was das Schlimmste ist? Er ist Musiker! Wenn sie wenigstens noch einen Bauarbeiter oder Feuerwehrmann genommen hätte! So einen mit Muckis oder so... Naja, irgendwann werde ich den Kerl wohl umbringen müssen... Gott will es so!“